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Umweltrisiken durch Bestattungswälder

Fragen und Antworten
Was sind Bestattungswälder?
Bestattungswälder sind naturnahe, als Friedhöfe ausgewiesene Wälder, in denen die Asche von
Verstorbenen in biologisch abbaubaren Urnen in den Unterboden im Bereich des Wurzelwerkes
von Bäumen eingesetzt werden.
Wie häufig ist diese Bestattungsform in Deutschland?
Derzeit existieren in Deutschland ca. 200 Bestattungswälder. Dort ließen sich im Jahr 2013 rund
fünf Prozent der Verstorbenen bestatten (etwa 45.000 Menschen). Dies stellt im Vergleich zum
Jahr 2009 einen Anstieg von ca. 50 Prozent dar (Aeternitas e.V. Verbraucherinitiative
Bestattungskultur, 2014).
Welche potentiell problematischen Stoffe enthält Kremationsasche?
Humanaschen enthalten in unterschiedlichen Mengen Schwermetalle wie Blei, Cadmium,
Kupfer, Zink, Nickel, Chrom und Quecksilber. Des Weiteren enthalten Totenaschen anorganische
Pflanzennährstoffe, wie Natrium, Kalium Phosphor, welche mit den Urnen in die Unterböden
von Wäldern eingebracht werden und den Nährstoffhaushalt der Standorte verändern können.
Woher kommen die Schwermetalle und Nährstoffe in Kremationsaschen?
Die Pflanzennährstoffe stammen aus den Körpern der Verstorbenen und gehen bei der
Verbrennung in die Asche über. Für Schwermetalle in Kremationsaschen gibt es verschiedene
Quellen. Zum einen nehmen Menschen im Laufe ihres Lebens Schwermetalle über die Nahrung
oder die Atemluft auf. Diese reichern sich bei der Kremation überwiegend in der Asche an.
Ebenso verhalten sich Schwermetalle aus dem Holz des Sarges und Kleidungsstücken wie
chromgegerbtem Leder. Eine Ausnahme bildet hier Quecksilber, welches bei der Verbrennung
gasförmig wird und in das Rauchgas übergeht. Zum anderen gehen beim Kremationsprozess
Schwermetalle von feuerfesten Bauteilen des Ofens in die Asche über.
Warum ist ein Eintrag von Schwermetallen in den Boden (womöglich) problematisch?
Viele Schwermetalle kommen natürlicherweise im Boden vor. Genau wie im menschlichen
Körper sollte eine bestimmte Konzentration aber nicht überschritten werden. Chrom, Kupfer
und Zink zum Beispiel sind als essentielle Spurenelemente lebensnotwendig für den Menschen,
wirken allerdings schon in leicht erhöhten Konzentrationen schädigend auf den Körper. Ebenso
kann es zu Schädigungen von Bodenorganismen oder Pflanzen kommen. In der
Bundesbodenschutzverordnung sind deshalb Vorsorgewerte für verschiedene Elemente und
Verbindungen festgehalten. Werden diese nicht überschritten ist keine schädliche
Bodenveränderung zu erwarten. Hinzu kommt, dass Schwermetalle in das Grundwasser
gelangen und sich so in der Umwelt ausbreiten können. Besonders gefährlich sind hierbei
anionische, also negativ geladene, Chrom(VI)-Verbindungen.
Mehr Infos zur Verbreitung und Wirkung von Schwermetallen gibt es unter
https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/wirkungen-von-luftschadstoffen/wirkungenauf-oekosysteme/critical-loads-fuer-schwermetalle
Was macht Chrom(VI)-Verbindungen so gefährlich?
Chrom(VI)-Verbindungen sind hochgiftig, sehr gut wasserlöslich und verhalten sich im Boden
anders als kationische Schwermetallverbindungen. Aufgrund der meist guten Wasserlöslichkeit
weisen sie eine hohe Bioverfügbarkeit und Mobilität in der Umwelt auf. Das bedeutet, dass sie
sich gut in Organismen und der Umwelt ausbreiten können. Den Chrom(VI)-Verbindungen gilt
deshalb eine besondere Aufmerksamkeit. Sie entstehen hauptsächlich im Zuge des
Kremationsprozesses, wo hohe Temperaturen von ca. 900 °C herrschen. In der Umwelt sind sie
unter natürlichen Bedingungen eher selten zu finden. Chrom(VI)-Verbindungen sind zumeist
krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend und können Allergien, Asthma
und Ekzeme verursachen. Darüber hinaus haben sie eine stark giftige Wirkung auf
Wasserorganismen, können in Pflanzen zu einem gehemmten Wachstum von Wurzeln und
Sprossen, sowie zum Absterben von Pflanzenteilen führen.
Mehr Infos zu Chrom(VI) gibt es unter
https://www.umweltbundesamt.de/dokument/hintergruende-zur-bewertung-von-chrom-im
Sind schädliche Bodenveränderungen durch Schwermetalleinträge aus Urnen zu erwarten?
Durch Schwermetalleinträge aus Urnen sind in der Regel keine schädlichen
Bodenveränderungen zu erwarten. Auf Standorten mit bereits erhöhten Schwermetallgehalten
im Boden allerdings kann es durch zusätzliche Einträge zur Überschreitung der Vorsorgewerte
der Bundesbodenschutzverordnung kommen. Um solche Standorte zu meiden, sollte deshalb im
Voraus eine Analyse der Schwermetallhintergrundbelastung erfolgen.
Warum ist ein Eintrag von Pflanzennährstoffen in den Boden (womöglich) problematisch?
Auch beim Eintrag anorganischer Pflanzennährstoffe ist Vorsicht geboten. An speziellen
nährstoffarmen Standorten kann es hierdurch zu negativen Veränderungen des Naturhaushaltes
kommen. In diesen oft besonders schützenswerten Biotopen sollte das Einbringen von
Nährstoffen durch Totenaschen geprüft werden.
Sind Schädigungen durch Einträge von Pflanzennährstoffen aus Urnen zu erwarten?
Eine Gefährdung der Waldökosysteme durch eine Veränderung der Nährstoffhaushalte wird als
gering angesehen. Eine pauschale Bewertung der Nährstoffeinträge durch Urnen in
Bestattungswäldern ist aber nur schwer möglich. Eine Beurteilung sollte vor dem Hintergrund
der standortspezifischen Nährstoffausstattung individuell erfolgen.
Welche Empfehlungen liegen für den sicheren Betrieb eines Bestattungswaldes vor?
1. Der Betrieb von Bestattungswäldern ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand auf Standorten
mit einem Boden pH-Wert von 4-6,5 in der für die Beisetzung der Urnen vorgesehenen Tiefe als
unproblematisch zu erachten. Von Beisetzungen kompostierbarer Urnen auf Standorten mit
einem stark sauren bzw. neutralen bis basischen pH-Wert ist aufgrund der Gefahr einer
Kontamination des Grundwassers abzusehen.
2. Für den sicheren Betrieb von Bestattungswäldern muss ein Kontakt biologisch abbaubarer
Urnen mit dem Grundwasser konsequent vermieden werden. Für die Beisetzungen
kompostierbarer Urnen wird daher ein Abstand von einem Meter zwischen dem
Bestattungshorizont der Urnen und dem standortspezifischen mittleren höchsten
Grundwasserabstand empfohlen.
3. Schwermetalleinträge aus Urnen in Bestattungswäldern können auf Standorten mit bereits
erhöhten Schwermetallgehalten im Boden zu einer Überschreitung der Vorsorgewerte der
Bundesbodenschutzverordnung (Bundesministerien für Justiz und für Verbraucherschutz,
1999) führen. Aus diesem Grund werden vor der Beisetzung von biologisch abbaubarer Urnen
Analysen zur Schwermetallvorbelastung der Böden empfohlen, um die Gefahr einer
Überschreitung der Vorsorgewerte auszuschließen beziehungsweise zu minimieren.
Welche weiteren Maßnahmen können ergriffen werden?
Da die Chrombelastung von Kremationsaschen hauptsächlich auf prozessbedingte Einträge aus
der Kremation in Kremationsöfen zurückzuführen ist, erscheint es sinnvoll Chromeinträge an
der Quelle der Belastung zu minimieren und somit einer Einbringung dieser Verbindungen in
den Boden vorzubeugen. Prozessbedingte Schwermetalleinträge ließen sich möglicherweise
durch Modifikationen der Kremationstechnik durch den Einsatz chromfreier Materialien oder
durch Modifikation des eigentlichen Verbrennungsprozesses vermeiden.
Neben Strategien zur Vermeidung prozessbedingter Schwermetalleinträge in Kremationsaschen
können auf Risikostandorten mit bestehenden Bestattungswäldern und Friedhöfen Maßnahmen
gegen eine Verlagerung von Chromverbindungen ein zielführender Ansatz zum Schutz von
Böden und Grundwasser sein. Ein praktikabler Ansatz könnte beispielsweise die Beigabe von
organischem Material in die Grablöcher unterhalb der Urnen sein. Über die Wirksamkeit solcher
Maßnahmen existieren bisher allerdings keine Informationen.
Woher kennt man die Zusammensetzung von Kremationsaschen?
Über die stoffliche Zusammensetzung von Totenaschen gibt es keine hinreichenden Daten, da
eine Analyse in Deutschland rechtlich nicht zulässig ist (§168 StGB Störung der Totenruhe). In
der Studie „Evaluierung von Ausmaß und Ursachen einer Schadstofffreisetzung aus Urnen in
Bestattungswäldern“ der Albert Ludwigs Universität Freiburg im Auftrag des
Umweltbundesamtes wurden daher Spannbreiten an Körperlasten der relevanten
Schwermetalle und anorganischen Nährstoffe erarbeitet und der maximale Übergang in die
Kremationsasche abgeschätzt. Prozessbedingte Schadstoffeinträge in die Asche wurden durch
Verbrennungen nur mit Stroh und synthetischem Abdeckmaterial ausgekleideter Holzsärge in
verschiedenen Krematorien und anschließender Analyse der so erhaltenen Aschen ermittelt.